
Negargari — Between Reality and Imagination
Negargari (Persisch: نگارگری), wörtlich „Malerei“ oder „Zeichnen“, bezeichnet die traditionelle persische Miniaturmalerei. Diese hochentwickelte Kunstform des Orients ist bekannt für ihren außergewöhnlichen Detailreichtum sowie ihre tiefe Verbindung zu Poesie, Mythologie und Mystik. Über Jahrhunderte entstanden Bildwelten, die nicht nur Geschichten erzählen, sondern Räume erschaffen, in denen Realität und Vorstellung miteinander verschmelzen.
Was mich an Negargari besonders fasziniert, ist die geheimnisvolle Symbolik vieler dieser Werke: Immer wieder erscheinen Frauen in fließenden, fast übernatürlichen Bewegungen, begleitet von alten Figuren — oft Sinnbilder von Weisheit in der persischen Mythologie — die musizieren, beobachten oder als stille Präsenz den Raum halten. Die Landschaften wirken entrückt, als würden sie zwischen unserer Welt und einer paradiesischen Dimension existieren.
Die Körperhaltungen und Gesten in diesen Bildern berühren mich besonders. Sie sind oft extravagant, beinahe übersteigert — und bewegen sich irgendwo zwischen Realität und Fantasie.
Negargari Tanz
Genau in diesem Spannungsfeld liegt meine künstlerische Arbeit.
Mit meinem Tanz versuche ich, meine eigene Interpretation von Negargari zu erschaffen und Negargari in Bewegung bringen!
Wenn ich auf diese geheimnisvollen persischen Miniaturen blicke — Bilder, in denen eine Frau in einer fast überirdischen, paradiesischen Umgebung tanzt, begleitet von Musikern, alten weisen Figuren oder Wesen, die wie aus anderen Welten zu stammen scheinen — entsteht in mir ein tiefes Gefühl von Faszination. Diese Werke tragen eine besondere Magie in sich: Obwohl sie still sind, scheinen sie voller Klang, Bewegung und Leben zu sein.
Mich berührt vor allem dieser magische Moment, dass eine Malerei etwas vollkommen Unsichtbares spürbar machen kann. Allein durch das Betrachten habe ich oft das Gefühl, die Musik in diesen Bildern hören zu können. Genau darin liegt für mich die Magie. Und gerade dieses Gefühl weckt in mir den Wunsch, diese Bildwelten zum Leben zu erwecken.
Mit meinem Tanz versuche ich mir vorzustellen, wie sich diese Figuren bewegen würden, wenn sie plötzlich aus dem Gemälde heraustreten könnten. Wie würde sich eine tanzende Frau bewegen, die zwischen Realität und Paradies existiert? Welche Qualität hätte ein Körper, der zugleich menschlich und traumhaft erscheint? Wie bewegt sich etwas, das zwischen Wahrheit und Fantasie lebt?
Mich interessiert dieses ständige Hin und Her zwischen Imagination und Realität, zwischen Geheimnis, Magie und menschlichem Ausdruck. Ich erforsche, wie sich jene surrealen Welten durch den Körper übersetzen lassen — und wie Tanz zu einem lebendigen Gemälde werden kann, das für einen Moment das Unsichtbare sichtbar macht.
Sema: Whirbling
Sema ist ein spiritueller Drehtanz aus der sufistischen Tradition, der Bewegung als Weg zur inneren Transformation versteht. Durch das kontinuierliche Drehen entsteht ein Zustand zwischen Meditation, Hingabe und Freiheit — ein Moment, in dem sich Körper und Geist neu ausrichten und Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt zu verschwimmen beginnen.
Seit über zehn Jahren begleitet mich diese Praxis und ist ein fester Bestandteil meines künstlerischen Weges. Was mich am Sema besonders fasziniert, ist die Erfahrung, wie durch die Wiederholung der Bewegung ein tiefes Gefühl des Loslassens entsteht und der Körper zu einem Raum wird, in dem sich Stille, Ekstase und etwas jenseits des Sichtbaren begegnen.
Diese Erfahrung prägt nicht nur meinen Zugang zum Sema selbst, sondern beeinflusst auch meine gesamte Bewegungssprache. Viele meiner anderen tänzerischen Arbeiten sind von diesem Zustand inspiriert — von der Suche nach Präsenz, Transformation und jener besonderen Qualität von Bewegung, die mehr ausdrückt als reine Form und den Tanz zu einem Ausdruck innerer Erfahrung werden lässt.
Photo credit: A. Z. Simorgh
„Tanz ist die verborgene Sprache der Seele.“
- Martha Graham
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